"Man muss kein Liebhaber von Streichinstrumenten sein, um diese
Platte zu mögen. Auch wenn ein gewisses Interesse an den
Klängen von Violoncelli nötig ist, um sich auf die rund
45-minütige Reise von Julia Kents
Delay zu
begeben. Bekannt ist die Kanadierin vor allem als Mitbegründerin
von Rasputin und als die Cellistin bei der US-Band Antony and the
Johnsons. Auch ist sie Teil von BELA, einer poetischen
Singer/Songwriter-Band aus New York. Doch ihr Debut-Album klingt
anders als das, was man von ihren vielen Kollaborationen kennt.
"Julia Kents
Delay, im vergangenen Jahre beim Schweizer
Label Shayo erschienen, präsentiert Stimmungsbilder von
Flughäfen. Ihre Vertonungen konzentrieren sich dabei auf die
Desorientierung und die Vergänglichkeit, die an diesen Orten
herrschen und spiegeln die emotionalen Welten wider: die Freude des
Wiedersehens, die Trauer der Trennung oder die Ungeduld des Wartens.
"Kent arbeitet mit Wiederholungen - zyklischen Rhythmen und motivische
Muster charakterisieren ihre Stücke. Die Gleichförmigkeit
der Geschehnisse auf Flughäfen wie "Idlewind" in New York,
"Gardermoon" in Oslo oder "Malpensa" in Mailand, findet sich durch
das Grundmuster wieder: gemächlich gestrichene, sich immer
wiederholende Melodien durchziehen das Album. Mal werden sie
hektischer, dann wieder sanft und ruhig, dann fast bedrohlich. Die
Melodie liegt an der Oberfläche, darunter kommen Klänge,
meist in Form von Loops oder gezupften Cello-Saiten, zu Tage, die
letzlich zu einem subtilen Ganzen verschmelzen.
"Was für die einen Kitsch bedeutet, ist für andere wiederum
bezaubernd und wehmütig: Melancholie. Sie durchzieht das Album
und wird zum Beispiel auf Fontanarossa oder Schipol durch den Einsatz
eines Omnichords, einer elektronischen Harfe, verstärkt. Doch
"
Delay" ist kein rein düsterers, musikalisches
Unterfangen. Durchaus aufheiternde und strahlende Momente sind darauf
zu finden, besonders durch die vielen Stakkati und die gezupften
Saiten, die sich wie ein roter Faden durch das Album ziehen.
"Zwischen den Musikstücken gibt es hin und wieder kurze, nur
wenige Sekunden lang dauernde Momentaufnahmen von verschiedenen
Flughäfen ? ihre "found sounds", wie Kent die Feldaufnahmen
nennt, bringen Durchsagen und Stimmengewirr der Menschen, die
manchmal verzerrt oder mit Echo versehen sind.
"Auf "
Delay" hat ein jeder Flughafen sein ganz
besonderes Merkmal. Mit ihrem Debut-Album bildet Julia Kent eine ganz
eigene Welt ab, in die man nicht nur wiederholt eintauchen kann,
sondern die auch eine ganz eigene Reise ermöglicht."